Gastbeitrag: Ich habe kein Talent! Was soll ich tun? von Christina Fedaie

„Du willst wissen, was meine Talente sind? Puh, gute Frage. Ich kann weder singen, noch bin ich besonders sportlich. Okay, vielleicht kann ich ganz gut organisieren. Aber wenn ich genauer darüber nachdenke, habe ich eigentlich gar kein echtes Talent!“

Das ist ein typisches Problem eines Klienten im Coaching. Als Coach begegne ich häufig Menschen, die bei der Frage nach den eigenen Talenten ziemlich ins Straucheln geraten. Die Wenigsten sind mit so einem Selbstbewusstsein ausgestattet, dass sie auf diese Frage problemlos antworten könnten. Wenn wir darüber nachdenken, was wir besonders gut können und wo unser Talent liegt, vergleichen wir uns schnell mit Anderen. Prinzipiell ist das keine schlechte Methode, denn so können wir lernen, uns besser einzuordnen. Das Problem dabei ist allerdings, dass es immer jemanden gibt, der bei einer Sache besser ist als wir. Und genau diese Feststellung führt dazu, dass wir uns dann in einer Sache schlechter bewerten als es vielleicht tatsächlich der Fall ist. Wenn wir diesen Vergleich häufig genug machen und immer wieder (unbewusst) die schlechtere Bewertung wählen, verblüfft es nicht, dass wir am Ende tatsächlich glauben: „Ich habe gar kein Talent!“

Aber wer oder was ist eigentlich dieses Talent?

Was ist Talent?

Wenn du im Duden nach Talent suchst, findest du die folgende Definition: „Talent ist eine Begabung, die jemanden zu ungewöhnlichen bzw. überdurchschnittlichen Leistungen auf einem bestimmten, besonders auf künstlerischem Gebiet befähigt.“ (Quelle: https://www.duden.de/rechtschreibung/Talent; verfügbar am 01.05.2018)

Wenn wir von Talent sprechen, denken wir meistens an Schauspieler, Sänger und Fußballspieler. Wir meinen damit häufig ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten auf künstlerischer oder sportlicher Ebene und gehen davon aus, dass es sich um eine besondere Gabe handelt, die solchen Menschen mit den Genen in die Wiege gelegt wurde.

Von außergewöhnlichen, überdurchschnittlichen Fähigkeiten geht auch die Talentforschung aus. Jedoch berücksichtigt sie auffällige Spitzenleistungen auf allen erdenklichen Gebieten. Auch solchen, die nicht im öffentlichen Interesse stehen, wie z.B. High Performance in Unternehmen. Hier endet dann aber auch schon die gemeinsame Auffassung. Denn bei der Frage, was für derartige Höchstleistungen verantwortlich ist, scheiden sich die wissenschaftlichen Geister. So viel sei aber schon einmal gesagt: Die Gene alleine sind es nicht! Denn laut dem schwedischen Psychologen und Wissenschaftler, Anders Ericsson, ist es keineswegs angeboren, wenn jemand Spitzenleistung erreicht. Seiner Auffassung nach ist vielmehr eine ganz spezielle Form des intensiven Übens der Schlüssel für überdurchschnittlichen Erfolg. Er fand heraus, dass ein Experte für seine Spitzenleistung durchschnittlich 10 Jahre harter Arbeit und 10.000 Stunden fokussierten Trainings investiert, unabhängig von seiner genetischen Ausstattung. Diese sei nur anfangs eine wichtige Variable. Nämlich wenn es darum geht, zu Beginn einer Tätigkeit sehr schnelle Erfolge zu erzielen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt kommt es jedoch zu einer Stagnation und man nimmt keine besonderen Fortschritte mehr wahr.  Von da an zählt einzig und allein die Intensität des Übens. (Quelle: https://www.psychologytoday.com/files/u81/Ericsson__Roring__and_Nandagopal__2007_.pdf; verfügbar am 01.05.2018)

Talent vs. Potenzial

Ich weiß nicht, wie es dir mit dieser Erkenntnis geht aber ich gerate dabei völlig aus dem Häuschen. Wenn Gene nicht oder zumindest nicht nur dafür verantwortlich sind, dass wir außergewöhnliche Dinge vollbringen, bedeutet es dann nicht, dass in jedem von uns ein gewisses Potenzial steckt, dass es zu entfalten gilt? Meine Antwort ist, JA!

Doch was genau ist eigentlich dieses Potenzial? Sehr häufig setzen wir Potenzial mit Talent gleich. Das ist aber nicht ganz richtig. Denn während das Talent in Form einer Leistung für uns und Andere sichtbar ist und beobachtet werden kann, richtet sich das Potenzial auf die Möglichkeit, eine Leistung in der Zukunft abzurufen. Das Potenzial ist somit erst einmal in uns verborgen. Wenn wir nicht aktiv danach suchen und es nicht entfalten, bleibt es womöglich auf ewig unerkannt. Wäre das nicht eine schreckliche Verschwendung? Denke nur daran, was möglich wäre, wenn du damit beginnen würdest, dein Potenzial zu entfalten!

Entfalte dein Potenzial!

Wenn du glaubst, gar kein Talent zu haben, empfehle ich, dich zunächst einmal auf die Suche nach deinen Potenzialen zu machen. Mit der Potenzialentfaltung kannst du Grenzen durchbrechen und über dich selbst hinauswachsen. Denn dort, wo du dein Potenzial findest, liegt etwas, das zu einem deiner größten Talente werden kann.

Lass es mich mit der Samenkorn-Metapher erklären:

Wenn du ein Samenkorn und eine Blume nebeneinanderlegst und beides vergleichst, wirst du höchstwahrscheinlich erst einmal gar keine Gemeinsamkeit finden. So unterschiedlich erscheinen diese beiden Dinge auf den ersten Blick. Wenn du aber genauer hinsiehst und den Entstehungsprozess einer Blume beobachtest, merkst du, dass all das Potenzial der Blume mit all ihrer Schönheit, einzig und allein in diesem Samenkorn liegt. Denn aus dem Samenkorn wächst allmählich ein Keimling heran, bis er sich irgendwann zu einer wunderschönen Blume entfaltet. All das ist nur möglich, wenn sich jemand um den Samen fürsorglich kümmert, d. h. ihn mit Nährstoffen versorgt, ihm Licht schenkt und ihn mit ausreichend Wasser verpflegt.

Genauso verhält es sich auch mit uns und unseren Potenzialen. Was aus uns wird, hängt maßgeblich von unseren Erfahrungen ab. Wenn wir die Erfahrung machen, dass wir in unseren Potenzialen gefördert werden, können sich unsere Potenziale sichtbar entfalten. Es ist wichtig, dass wir uns soziale Räume suchen, in denen sich unsere Potenziale zeigen können. Am besten entfalten sie sich in der ehrlichen Begegnung mit anderen Menschen. Nämlich dann, wenn wir inspiriert werden und uns Mut gemacht wird, uns so zu zeigen, wie wir wirklich sind. Ohne Maske, ohne Scham!

Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch Potenziale hat, aus denen großartige Talente entstehen können. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass jeder Mensch beruflich das machen sollte, was ihm am meisten Spaß macht. Neben bestimmten Rahmenbedingungen (die leider nicht immer in der Macht des Einzelnen liegen) braucht es vor allem auch ein Bewusstsein für sich selbst, die eigenen Potenziale und Talente. Deshalb ist es mir eine Herzensangelegenheit, dich zu ermutigen, an deine Potenziale und Talente zu glauben und sie für dich erfüllend zu nutzen.

Beim nächsten Mal in diesem Blog verrate ich dir meine Praxistipps für die Suche nach deinen Potenzialen und Talenten. Wenn du eine konkrete Frage hast und dir wünschst, dass ich im Blog darauf eingehe, dann schreibe mir gerne unten in die Kommentarbox. Ich freue mich, von dir zu lesen!

Alles Liebe,

Christina Fedaie

P.S.: Denke immer daran, Deine Lebenszeit ist kostbar. Daher nutze sie für Dinge, die Dich glücklich machen!

Quelle: https://christinafedaie.de/keintalent/

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