Mein Weg zu den Komplizen

Mein beruflicher Werdegang ist ziemlich abwechlungsreich und hat immer wieder neue Wendungen genommen. Dabei habe ich gelernt, dass Alles für etwas gut ist – egal ob die Tätigkeit nun Spaß gemacht hat oder nicht. Aber klar ist auch, dass wenn eine Arbeit Spaß gemacht hat und ich mit dem Herzen dabei war bzw. bin, alles viel leichter von der Hand geht.

Geboren 1964 in Karl-Marx-Stadt wollte ich ganz am Anfang Förster werden. Ich habe es geliebt, draussen zu sein. Aber alle, denen ich von diesem Wunsch erzählte, haben mich ausgelacht und ich ließ die Idee fallen. Dann habe ich in Richtung Medizin, Journalistik oder Geschichte überlegt. Wobei ich Geschichte relativ schnell wieder abgewählt habe, mich hätte das Altertum interessiert und da gab es aus meiner Sicht keine Chance. Aber so einen richtigen Plan hatte ich nicht. Nur ein Aha-Erlebnis zu dem, was ich überhaupt nicht wollte. Wir hatten in der 8. Klasse das Fach „Praktischer Unterricht“ und waren dafür in einem Betrieb. Dort war es laut, dunkel und es hat nach Maschinenöl gestunken. Und da wusste ich – so etwas mache ich nie. Dann lieber studieren. Auf die Erweiterte Oberschule (unser damaliges Gymnasium) wollte ich nicht, also blieb noch der Weg Beruf mit Abitur. Das war eine tolle Sache, denn dann hatte man nach 3 Jahren einen Berufsabschluss und das Abitur in der Tasche und konnte sich dann immer noch entscheiden, welchen Weg man geht.

Wie gesagt, tolle Sache, nur hat es bei mir leider nicht geklappt. Bin ich eben nach der 10. Klasse doch auf die Erweiterte Oberschule (EOS) gegangen. Da habe ich zum ersten Mal im Leben gemerkt, dass man manchmal auch Kompromisse machen muss, um weiter zu kommen. Aber was ich studieren wollte, wusste ich da immer noch nicht. Nach ein paar Wochen auf der EOS kam dann das Angebot, im Ausland zu studieren – es wären noch Plätze frei. Das fand ich spannend, die angebotenen Studienfächer nicht so sehr. Und ich wusste, dass ich nicht in die Sowjetunion wollte, Russisch war nicht so meins. Es standen für mich 4 Studienfächer zur Wahl – Mathematik, Psychologie, Bauwesen und Geologie. War alles nichts für mich, aber Geologie klang noch am Spannendsten. Blöd nur, dass ich für dieses Studienfach dann doch nach Moskau musste. Da waren sie wieder – die Kompromisse, die man manchmal im Leben eingehen muss. Und dass ich noch vor Ablauf des ersten Semesters gemerkt habe, dass das wohl nicht die richtige Wahl war, war auch nicht wirklich hilfreich. Nun werden einige von euch sagen, dann hättest du doch gewechselt. Das geht heute ohne Probleme, aber damals Anfang der 80er war das nicht so einfach. Ich konnte mich entscheiden zwischen weiter studieren oder abbrechen und zu Hause irgendeinen Beruf lernen. Das wollte ich nicht, also habe ich weiter studiert und das Studium in vollen Zügen genossen – viel gefeiert (wir hatten Studenten aus über 20 Nationen an der Hochschule – es gab also immer was zu feiern), viel im Land gereist und ab und zu auch studiert. Nach 5 Jahren hatte ich mein Diplom in der Tasche, viel von Land und Leuten gesehen, viel über mich und andere gelernt und gewusst, dass mich im Leben so schnell nichts umwirft.

Meine erste Station nach dem Studium war der einzige Erdölbetrieb der DDR in der Nähe von Stralsund, heute Mecklenburg-Vorpommern. Wir konnten uns unseren ersten Arbeitsplatz nicht selber aussuchen, sondern wurden verteilt. Es war eben alles etwas anders als heute. Aber die Arbeit war spannend. Ich bin als Geologin auf die Bohranlagen gefahren und habe das Gestein untersucht, das die Bohrarbeiter hochgeholt haben. Diese Arbeit hätte ich bestimmt noch ein paar Jahre gemacht, aber dann wurde 89/90 alles anders. Dann durfte ich frei entscheiden, wohin ich gehe und dann bin ich erst einmal in ein Ingenieurbüro gegangen, um sogenannte Altlasten zu untersuchen. Das waren Betriebe, die geschlossen wurden oder alte Tankstellen und so was. Das hat mir nicht so richtig Spaß gemacht. Am Anfang dachte ich noch, dass liegt an den Leuten in diesem Ingenieurbüro, aber nach 2 weiteren Versuchen in anderen Büros wusste ich, es liegt an der Arbeit. Also habe ich mir was ganz Neues gesucht und habe einen Abschluss bei einer Bausparkasse gemacht. War aber leider auch nicht das Richtige. Die Beratungen von Leuten fand ich noch ganz gut, aber etwas zu Verkaufen, das nur die wenigsten brauchen, war nicht so mein Ding.

Nach einer längeren Pause für die Erziehung meiner drei Kinder habe ich dann wieder neu überlegt – was will ich machen, was macht mir Spaß? Naturwissenschaften fand ich spannend und mit Kindern arbeiten auch. Also habe ich Arbeitsgemeinschaften, in denen experimentiert wurde, in verschiedenen Schulen angeboten. Das ich die ganzen Experimente zu Hause erst mal ausprobierte, hat besonders meine Kinder gefreut.

Ich bin zu dieser Zeit auch auf ein Netzwerk aufmerksam geworden, was sich gerade gegründet hatte. Es nannte sich Kind & Ko. und sollte Akteure, die sich für Kinder in Chemnitz einsetzen, verbinden. Da ist mir das erste Mal bewusst geworden, dass zu meinen Stärken organisieren, planen und netzwerken gehört und das mir das alles unheimlich Spaß macht. Wenn ich das 20 Jahre früher gewußt hätte, dann wäre meine Berufswahl sicher ganz anders ausgefallen.

Bei meiner nächsten Station konnte ich einen großen Teil dieser Stärken dann schon mit einbringen. Ich habe in einem Projekt gearbeitet, das Erzieherinnen in Kindertagesstätten mit Themen der nachhaltigen Entwicklung wie Mobilität, Ernährung, Energie u.a. bekannt gemacht und Möglichkeiten aufgezeigt hat, wie sie solche Themen mit den Jüngsten erarbeiten können. Ich fand es spannend, Seminare und Workshops zu erarbeiten und durchzuführen, Fachtagungen zu organisieren und auf Messen zu fahren und über unser Projekt zu berichten. Schade war nur, dass das Projekt eingestellt wurde.

Die Thematik – was können wir tun, um unsere Erde für alle lebenswert zu erhalten – finde ich nach wie vor wichtig und arbeite deshalb als freie Referentin an Schulen zu den Themen Klima und Energie, Möglichkeiten des Energiesparens, Ernährung u.a.

Das ich jetzt bei den Komplizen bin, war Zufall (wobei mein Mann immer sagt, es gibt keine Zufälle) – Daniela und Denise haben das Konzept auf einem Elternabend in der Schule meines jüngsten Sohnes vorgestellt. Ich fand das interessant, habe auf die Internetseite des Vereins geschaut und gesehen, dass ein Projektmanager für das YouTube Projekt gesucht wird. Und da es eine Stelle war, die alle meine Stärken fordert und ich diese Art der Berufsorientierung genial finde, habe ich mich beworben, wurde genommen und sitze jetzt hier.

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit euch und hoffe, dass viele tolle Videos entstehen und so noch mehr Schüler und zukünftige Mentoren von dieser Art der Berufsorientierung erfahren und bei diesem Projekt mitmachen.

 

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