P :: wie Diplom-Pflegewirt

Jörg Petzold

Diplom-Pflegewirt

Hallo Jörg,

vielen Dank für Deine Zeit. Fangen wir an… wie lautet Deine Jobbezeichnung?

Ich bin Einrichtungsleiter im SenVital Chemnitz.

Das klingt wie in einem Möbelhaus.

Das sagen manche. 🙂 Bei anderen Trägern heißt die Position Heimleitung, Residenzleitung oder Hausleitung. Es gibt auch Träger, die bezeichnen ihre Heimleiter als Direktor. Das ist sehr unterschiedlich in unserer Branche.

Wolltest Du Einrichtungsleiter werden?

Nein, das war eigentlich nicht vorrangig mein Ziel. Aber da habe ich mich einfach ein bisschen leiten lassen. Ich habe Pflegemanagement in Zwickau studiert, bin ausgebildeter Diplom-Pflegewirt, war dann viele Jahre im Krankenhaus aktiv, unter anderem auch als Pflegedirektor. Das waren einfach alles Fügungen, dass ich zu den einzelnen Stellen gekommen bin und genauso war es auch hier.

Du mochtest also schon immer die Pflege?

Den Gesundheits- und Sozialbereich mochte ich schon immer. Das es nun gezielt die Pflege wurde, lag ein bisschen an dem Studium, welches ich gewählt habe. Dort war der Schwerpunkt Pflege. Obwohl ich selber keine eigene Pflegeausbildung habe, hatten wir im Studium viele Fächer, die darauf ausgerichtet waren: Pflegewissenschaft, Pflegeforschung, etc. Alles was nun so dazu gehört und dadurch ist der Schwerpunkt Pflege automatisch mit dabei, auch wenn ich keine ausgebildete Pflegefachkraft oder Krankenpfleger bin.

Und warum hast Du Dir Pflegemanagement gesucht, als Ausbildung/Studium?

Ich habe Zivildienst in einem ambulanten Pflegedienst gemacht und hatte dabei auch ein bisschen Einblick in das Management. Ich dachte einfach, dass das auch ein Bereich ist, in dem ich später mal arbeiten könnte. Dann kam noch dazu, dass es auch ein aufstrebender Markt mit guten Zukunftsperspektiven war. Es waren mehrere Punkte, die mich davon überzeugten, dass es einfach ein Bereich ist, wo man später arbeiten könnte.

Ist es immer noch ein zukunftsträchtiger Beruf?

Ja, auf jeden Fall! Gerade in der ältesten Stadt Europas, in Chemnitz. Es entstehen immer mehr Pflegeeinrichtungen und dementsprechend wird natürlich immer mehr nach gut ausgebildetem Personal gesucht. Manche Einrichtungen bieten sogar Traineeprogramme an.

Was waren die Kernthemen Deines Studiums?

Das Studium war sehr breit angelegt. Wir hatten also viele Fächer: neben den Pflegefächern, auch BWL, Recht, Personalwesen, Rechnungswesen etc. Damals, als das Studium angelegt wurde, war noch nicht klar, in welche Richtung das mal gehen wird bzw. was brauchen die Auszubildenden auf dem zukünftigen Arbeitsmarkt. Inzwischen gibt es da schon diverse Spezialisierungen.

Natürlich gab es damals auch Fächer, die man nicht so gerne besucht hat und die sehr unbeliebt waren. Aber inzwischen merkt man, wie oft man in der Praxis darauf Bezug genommen hat und dass das doch damals nicht ganz so unwichtig war.

Das Studium war ja sehr auf Management ausgerichtet, deshalb gab es auch währenddessen noch zwei Praktika, die ich dann in Pflegeeinrichtungen absolviert habe. Meine Diplomarbeit habe ich dann über Qualitätsmanagement im Krankenhaus geschrieben

Das klingt sehr vielschichtig und weitreichend. Das heißt eigentlich, Du hättest nicht unbedingt in die Pflege gehen müssen, Du hättest auch z.B. ins Krankenhaus gehen können.

Ja, ich war ja auch viele Jahre im Krankenhaus tätig, u.a. als Pflegedirektor. Ich habe einen Freund der arbeitet in der Krankenkasse, einige sind ins Qualitätsmanagement gegangen. Manche haben auch ganz artfremde Sachen gemacht, konnten aber durch das Studium noch einmal ganz andere Blickwinkel einbringen.

Trotzdem, das Wort Pflege schreckt nach unseren Erfahrungen viele Menschen ab, auch so ein breit gefächertes Studium wie Deines zu ergreifen.

Ja, das ist richtig. Das ist natürlich auch eine gewissen Unkenntnis, was genau hinter diesem Beruf steht. Dabei ist der Pflegeanteil in meiner Arbeit gleich Null. Natürlich müssen in einer Pflegeeinrichtung auch Pflegeleistungen erbracht werden, aber dafür gibt es ja unsere Fachkräfte.

Wir haben ganz viele Mädels, die in die soziale Richtung wollen….

Und dann steht da immer zu erst der Sozialpädagoge im Vordergrund. Dabei gibt es noch viele andere soziale Berufe.

An dieser Stelle kommt dann halt ein bisschen unser Imageproblem in der Altenpflege zum tragen, was dazu führt, dass sich selten in die Pflegerichtung spezialisiert wird. Wir als SenVital haben deshalb unser Haus geöffnet. Das heißt, hier können nicht nur die pflegebedürftigen Menschen hinein, sondern auch hausfremde Menschen. Wir haben ein Restaurant, wo man Mittag essen kann oder Kaffee trinken. Wir organisieren öffentliche Veranstaltungen, wo jeder dazu kommen kann. Wir haben Ausstellungen hier, die man sich ansehen kann und vieles mehr. Da wird dann schon die Scheu abgebaut und die Menschen merken, dass man da auch einfach mal so ins SenVital kommen kann und es mehr ist, als ein einfaches Pflegeheim.

Zu dem sozialen Bereich gehören auch alte Menschen. Das wird immer wieder vergessen. Vor allem kann man älteren Menschen auch helfen, ohne dass man Pflegefachkraft wird. Mein Beruf beispielsweise eignet sich dazu, da wie gesagt, der Pflegeanteil in meinem Beruf gleich Null ist.

Verstehe. Wenn Du keine direkte Pflege machst, was machst Du dann? Gibt es bei Dir einen bestimmten Tagesablauf auf Arbeit? Was machst Du den ganzen Tag?

Als Einrichtungsleiter im SenVital gehören alle Abteilungen zu mir, egal, ob Pflege, Küche, Reinigung, die Verwaltung etc… und das Schöne ist, dass nicht jeder Tag gleich ist und immer wieder neue positive Herausforderungen entstehen. Ich bin z.B. auch relativ frei, wann ich auf Arbeit komme, um 6 Uhr oder um 8 Uhr, das liegt an mir. Natürlich gibt es Veranstaltungen, wo ich anwesend bin, auch gegenüber dem Team oder den Gästen sollte ich präsent sein, aber wann genau ich das mache, obliegt mir selbst. Sicher gibt es eine Kommunikationsstruktur, die sich immer wiederholt: so treffen wir uns beispielsweise jeden Tag halb 10 Uhr im Team mit den Abteilungsleitern und besprechen, was den Tag über ansteht, so dass jeder immer über alles informiert ist. Aber das gehört zu uns, da wir viel Wert darauf legen, dass sich immer alle in unseren Team gut fühlen.

Andere Aufgaben, gerade die wirtschaftliche Seite meines Berufs betreffend, das teile ich mir zeitlich ein, wie es am Besten passt.

Es gibt auch viel im Bereich Netzwerkpflege, wo man zu verschiedenen Netzwerkveranstaltungen geht, um mit anderen ins Gesprächen zukommen oder auch – Richtung Marketing – das SenVital bekannt zu machen und darüber informiert, wie z.B. bei den Komplizen.

Kurz gesagt: Als Einrichtungsleiter ist man für die qualitative, wirtschaftlichen und auch inhaltliche Ausrichtung des Hauses verantwortlich und kann es natürlich auch gestalten.

Wenn ich das so höre, ist Dein Tag eigentlich so breit gefächert, wie Dein Studium. Hast Du mehr vor den Rechner zu tun, oder mehr mit Menschen?

Das ist auch ganz unterschiedlich. Beides hat einen hohen Anteil an meiner Arbeit. Ich würde sagen 50:50. Zur Zeit ist es mehr die Arbeit mit Menschen, da ich gerade viele Bewerbungsgespräche führe. Auch wenn Veranstaltungen und Feste anstehen. So etwas macht man ja immer im Team. Mit dem eigenen Team, aber auch mit Kollegen von außerhalb. Da hat man mehr mit Menschen zu tun. Auf der anderen Seite läuft viel Kommunikation per E-Mail und es müssen ja – wie gesagt – auch wirtschaftliche Daten erhoben werden und so etwas geht nun mal nur am Rechner. Aber es hält sich ungefähr die Waage.

Was ist Deine Lieblingsaufgabe?:

Das ist eigentlich die Gesamtheit der Arbeit. Manchmal ist das eine tolle Veranstaltung, die man organisiert hat, mal ist es ein tolles Gespräch, mal wenn das Haus voll ausgelastet ist und man mit den Kollegen darauf anstößt… Es gibt immer wieder freudige Ereignisse. Ganz unterschiedlich.

Was ist für Dich ein Nachteil an der Arbeit?

Nachteil, das ist schwer zu sagen. Es kommt ja auch immer darauf an, wie man mit Nachteilen umgeht. Ich würde mir zum Beispiel eine schnellere IT wünschen, weil das manchmal etwas bremst. Oder an anderer Stelle paar weniger Vorgaben. Aber das sind alles Dinge mit denen kann man Leben.

Wirkliche Nachteile fallen mir da spontan nicht ein.

Nicht verwunderlich. Man merkt auch, dass Du das alles total gerne machst und es klingt, als wäre es der perfekte Job für Dich.

Ja, auf jeden Fall.

Wahrscheinlich für jeden der Management mit dem Sozialen verbinden will und von einen möglichst abwechslungsreichen Beruf, mit viel Gestaltungsspielraum träumt.

Vielen Dank für das Interview Jörg. Deine letzten 3 Worte?

Mach das, wo du deine Zukunft siehst.- OK, das waren geringfügig mehr als nur 3 Worte.

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