Fragen zu ….

Fragen…. Fragen sind ja eigentlich etwas Tolles…. Aber kennt ihr diese Fragen, die einen ein wenig verzweifeln lassen? Unverständnis wecken? Einen nerven oder gar wütend machen?

Eine solche Frage ist für mich: „Inwiefern nehmen am Komplizen Programm benachteiligte Kinder bzw. Jugendliche teil?“ oder als Abwandlung: „Auf welche benachteiligten Jugendlichen haben sich die Komplizen spezialisiert?“

Warum stellt man solche Fragen einem gemeinnützigen Verein? Und warum haben gemeinnützige Vereine darauf tatsächlich eine Antwort? Warum tatsächlich eine bestimmte Zielgruppe?

Gemeinnützig heißt, dass die Tätigkeit des Vereins darauf „gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern.“ Steht so wortwörtlich im § 52 Absatz 1 AO. Allgemeinheit bedeutet alle, nicht eine bestimmte Zielgruppe.

Natürlich kann man das so interpretieren, dass, wenn man eine bestimmte Zielgruppe fördert, man dann der Allgemeinheit hilft usw.…. aber mal ehrlich: „nur“ einer bestimmten Zielgruppe zu helfen, ist doch ein bisschen diskriminierend, oder? Schließlich schließe ich andere damit automatisch aus, nicht wahr?

Ich habe das noch nie richtig verstanden… Wenn wir uns um eine Förderung bewerben, werden unsere Programme ständig abgelehnt, weil sich unser Komplizen-Programm nicht spezifisch an benachteiligte Jugendliche wendet. Aber wie kommt man darauf, dass nur als „benachteiligt“ definierte Personengruppen bedürftige Menschen sind? Jeder ist in irgendeiner Art und Weise bedürftig:

…nach Zeit, nach Liebe, nach Interesse, nach Orientierung, nach Wissen, nach Verständnis, nach Freunden, nach Sicherheit, nach Lachen, nach Gemeinsamkeiten oder Unterschieden, nach Freude, nach Aufmerksamkeit, nach Unabhängigkeit, nach Kreativität usw.

…und zwar vollkommen unabhängig von…

Herkunft, Politik, Religion, Finanzen, Geschlecht, Noten, Haarfarbe, Interessen, Klamotten u.ä.

Also, wie kommt man darauf, dass sich unsere Programme nicht an bedürftige Menschen richten?

– wir haben Jugendliche vom Gymnasium, die sich vollkommen allein gelassen fühlen:

„Ich bin froh, dass ich in Euer Programm kommen durfte. Ohne Euch würde ich ganz alleine da stehen.“ (Feedback Schülerin)

– wir haben Jugendliche von der Oberschule auf der Suche nach Unterstützung:

„Also meine Eltern haben keine Zeit mich bei meiner Berufswahl intensiv zu unterstützen. und die Schule kann uns da auch nicht weiterhelfen. Deswegen bin ich froh, dass ich meinen Mentor habe. Der setzt sich für mich ein.“ (Feedback Schülerin)

– wir haben Jugendliche von der Sportschule, die 6 Mal in der Woche Sport treiben und niemanden finden, der Lust und Zeit hat, seine Termine nach ihnen zu richten:

„Vielen Dank an Euch! Vielen Dank, dass ihr so viel Arbeit investiert die Arbeitsplatzbesichtigungen so zu organisieren, dass wir auch daran teilnehmen können. Danke, dass ihr immer Zeit für uns findet.“

– wir hatten eine Jugendliche mit Hauptschulabschluss und abgebrochener Ausbildung, die sagte:

 „Ich schaff das nicht! Das wird nichts!“

Heute ist sie im 3. Lehrjahr, lebt in Berlin und schreibt sich immer noch monatlich mit ihrer Mentorin. Heute sagt sie:

„Ihr wart meine Rettung! Ganz anders als ihr vielleicht glaubt. Ich habe erst später verstanden und mich nie richtig bei Euch bedankt. Deshalb: ihr habt zugehört. Mir zugehört. Habt an mich geglaubt und mir vertraut. Dieses Gefühl war großartig und hat mich die ganzen letzten Jahre begleitet. Heute versuche ich es in Eurem Sinne an andere weiterzugeben. Ich bin ein Komplize! 😀 Danke.“

– wir hatten einen Jugendlichen, der Priester werden wollte und dabei überall auf Unverständnis und Lachen stieß:

„Danke für alles. Ich weiß, ich hatte einen ungewöhnlichen Wunsch und trotzdem gab es bei Euch keine Vorurteile oder überhaupt Urteile. Nur Verständnis. Ich habe unglaublich von Euch gelernt!“

Ein anderer, der Künstler werden wollte:

„Für jemanden wie mich – ich bin kein Typ für den Fußballplatz oder für Wettkämpfe irgendwelcher Art – ist es natürlich gar nicht so leicht, in der Jugend etwas charakterbildendes zu finden. Fußballplätze gibt es überall, aber einen Künstler, der dich in sein Atelier lässt, selten.
Niemals danach – und selten zuvor – hab ich die Welt so gross erlebt, so grosszügig und so mir zugewandt, wie in seinem Atelier: Du warst drin und alles war gut.“

Wir haben 6 Personen mit Migrationshintergrund in den Komplizen-Programmen und seit Mittwoch zwei Flüchtlinge, die keine Ahnung vom deutschen Schul- und Ausbildungssystem haben, aber Ahnung haben wollen… Wir haben Jugendliche vom Kassberg genauso wie vom Sonnenberg. Wir haben Doktoren und Angestellte von Großunternehmen genauso wie von klein- und mittelständigen, Selbstständige, Studenten, Verwaltungsbeamte, Menschen mit und ohne Ausbildung, Menschen mit und ohne Schulabschluss, Menschen aus Deutschland, Afghanistan, Asien, Russland usw., religiöse Menschen und Menschen ohne Religion, Parteimitglieder oder Menschen, die die Politik hassen, Frauen und Männer, Menschen mit blauen, schwarzen, roten, lila, blonden usw. Haarfarben, Menschen, die gerne spazieren gehen und Menschen, die dies auch tun, aber am liebsten als House Runing – von Hochhäusern herunter…

Warum müssen wir uns auf eine bestimmte Zielgruppe oder ein bestimmtes Thema beschränken, wenn wir doch ein Komplize für alle sein können und wollen?

Deshalb verstehe ich diese Fragen nicht… Nichtsdestotrotz wird natürlich eine Antwort verlangt:

Inwiefern nehmen am Komplizen Programm benachteiligte Kinder bzw. Jugendliche teil?

Das Komplizen-Programm operiert stadtgebietsübergreifend, in benachteiligten Stadtgebieten. Ausserdem bestehen Kooperationen mit Initiativen bzw. Einrichtungen für benachteiligte Jugendliche, wie beispielsweise das DonBosco Haus, Delphine, AJZ u.a. Dadurch befinden sich im Komplizen Programm überwiegend bedürftige Jugendliche.

…wie langweilig…

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