Gastbeitrag: Welche Pflanze wird aus Dir? von Janet Schaer

Liebe Schülerin, lieber Schüler, liebe Mentorin, lieber Mentor,
Wir sind Samen.

Ist es nicht so, dass wir zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens wie ein keimender Samen sind? Wir wissen nie so recht, wie die ausgewachsene Pflanze einmal aussehen wird. Wir wissen aber sehr sicher, dass wir eine bestimmte Pflanze werden. Mit bestimmten Fähigkeiten und mit einer atemberaubenden Einzigartigkeit.

Wir würden wahnsinnig gern wissen, was die ausgewachsene Pflanze darstellt, wie sie gebaut ist und welche Sorte wir eigentlich sind …

Wenn ich eine Pflanze wäre, wäre ich gern Holunder.

Duftend, kraftvoll, mit tausenden herrlichen kleinen Blüten, heilend, stark, ein Genuss für jeden Kuchen und jedes Getränk, und je älter ich werde, umso toller werden meine Früchte!

Welche Pflanze wärest Du? Beziehungsweise: Welche Pflanze wird aus Dir?

In Dir sind bereits alle Talente und Gaben wie in einem Samenkorn angelegt!

Wir haben nur im Lauf unseres Lebens verlernt, sie als Talente und Gaben wahrzunehmen. Schule macht uns zu linientreuen, in die Vergangenheit schauenden Teilnehmern unserer Gesellschaft – und wir müssten eigentlich alle die gleichen Pflanzen werden. Jeder, der ein bisschen was von Natur versteht, weiß aber, dass Monokulturen noch nie funktioniert haben!

Schau Dich im Sommer mal auf den Feldern um – was uns ganz besonders ins Auge sticht (und das im herrlich positiven Sinne), sind die vereinzelten Kornblumen … der Mohn … Sonnenblumen!
Mir persönlich gehen da die Augen vor Glück über und Du findest mich ständig Sträuße pflückend am Feldrand.

Nun ist es ja mit uns Menschen so: Wenn wir brav zu den anderen Millionen Getreidepflänzchen gehören, haben wir es warm und sicher, zumindest einen Sommer lang.

Dann, bevor wir unsere Samen (Talente) wirklich ausstreuen können, werden wir alle zu Mehl. Das war es dann.

Vielleicht siehst Du in Dir schon Deine enormen Talente und stellst sie heraus (sozusagen Dein Selbstkonzept):

Sei Mohn!

Sei eine Kornblume!

Sei eine Sonnenblume!

Sei unwiderstehlich schön mit dem, was Du gerade zu bieten hast!

Steche mit Deinem Auftreten hervor und sei eine Augen- (Gedanken-, Visions-, Freude-) -Weide für uns!

Sei für kurze Momente präsent und herrlich!

Mache Freude!

Sei stolz auf Deine Einzigartigkeit!

Wir strahlenden pflanzlichen Farbtupfer leben oft nicht so lang wie das massenhafte Getreide, wenn wir kein Konzept für unser Überleben haben. Wir Farbtupfer werden bekämpft durch Unkrautbekämpfungsmittel, durch Menschen, die sie unwissentlich pflücken – Ja, es birgt Gefahren, anders zu sein!

Wenn Du spürst, dass Du anders tickst als das Getreide um Dich herum, weißt Du auch eines: Wenn Du es schaffst, diesen Sommer zu überleben, wirst Du Deine Samen quer über das ganze Feld verstreuen!

Deine angebliche „Nutzlosigkeit“ trägt Früchte, nächstes Jahr, übernächstes Jahr, und auch die Jahre danach werden all Deine Samen aufgehen – und Du wirst weiterblühen, Freude bereiten, anders (für manche sogar ein Ärgernis) sein. Aber Du bist da! Je länger, desto kraftvoller. Und Du weißt, dass Du für Deine gelungene Zukunft vorgesorgt hast, und immer und immer wieder erblühen wirst!

Auch, wenn es oft schwer ist, anders zu sein – in Deinem Samen steckt bereits ein wunderschöner Farbtupfer!

In diesem Sinne:

Sei die außergewöhnlichste, strahlendste, kraftvollste Pflanze von allen in diesen kommenden Sommer!

Bis dahin einen wundervollen Winter für Dich,
Dein Holunder
Janet Schaer

 

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