S wie :: Stadtteilmanager für Wirtschaft, Kreativwirtschaft und Netzwerkarbeit

Interview mit Robert Verch,
Stadtteilmanager Kreatives Chemnitz

Hallo Robert, danke, für Deine Zeit und los geht’s mit der Befragung für unser Job-Wiki.

Wie bezeichnet man Deinen Job genau?:

Ich bin „Stadtteilmanager für Wirtschaft, Kreativwirtschaft und Netzwerkarbeit“.

Wie kommst Du dazu? Musstest Du dafür eine Ausbildung machen?

Nein, ich bin Quereinsteiger. Ich habe Design studiert, danach freiberuflich Kunstprojekte organisiert und unter anderem Intervention im öffentlichen Raum gemacht. Dadurch und bereits während des Studiums habe ich mich mit Urbanismus beschäftigt. Als die Stelle ausgeschrieben wurde, wollte ich mich eh in die Organisations- und Managmentrichtung weiterentwickeln. Also habe mich beworben. Es ist eine EU-Stelle, eine projekt- und zeitlich gebundene Stelle.

Also Du hattest in die Richtung schon mal was gemacht?

Nicht direkt, aber die jetzige Arbeit besteht zu großen Teilen aus Kommunikation und Organisation, und das hing bei meiner vorherigen Tätigkeit auch mit dran.

Ist es eine kreative Arbeit?

Vielleicht nicht auf den ersten Blick. Es gibt ein abstraktes Ziel, aber keinen Weg dahin. Diesen muss ich mitentwickeln. Insofern ist es schon kreative Arbeit, ja. Aber wenn man wie ich aus der Designrichtung kommt, dann gibt es wenig „Output“ in dem Sinne, dass man am Abend sieht, was man gemacht hat. Denn obwohl ich viel organisiere und viele Entscheidungen treffen muss, habe ich am Ende des Tages kein Produkt vor mir. Gleichsam bedarf es kreativer Überlegungen, wie komme ich zu dem angestrebten Ziel – also im konkreten Fall die Stadtteilbelebung und Wirtschaftsförderung im Gebiet.

Bist Du alleine für alles verantwortlich?

Ich bin nicht alleine. Da ich für einen Verband arbeite, habe ich gleich mehrere Chefs und außerdem die Stadt als Auftraggeberin. Generell arbeiten an der Entwicklung der Stadt natürlich stetig viele Leute mit teilweise sehr unterschiedlichen Interessen. Im Endeffekt muss ich mit allen arbeiten und umgehen. Da kann man keine Order von oben entgegennehmen oder verteilen, sondern muss stetig mitdenken.

Wie triffst Du Deine Kollegen um Euch abzusprechen? Oder besprecht Ihr das alles am Rechner?

Ich schreibe viele E-Mails aber ich treffe auch immer wieder diejenigen die bei Teilprojekten dabei sind.

Macht Dir Deine Arbeit Spaß?

Ja.

Wie sieht Dein Tagesablauf aus?

Der ist relativ unterschiedlich. Ich komme ins Büro, manchmal kommen dann Leute zu mir, die sich beispielsweise beraten lassen wollen. Dann schreibe ich oft eine Stunde E-Mails zu allgemeinen Absprachen und dann gibt es sehr unterschiedliche Aufgaben wie die Organisation von Veranstaltungen, Immobilienrecherche und -vermittlung sowie Sitzungen bei der Stadtverwaltung. Im Endeffekt führt fast alles zur Lektüre von E-Mails und Konversationen per Mail, Telefon oder von Angesicht zu Angesicht. Denn Außerhaustermine gibt es natürlich auch.

Es ist also eine abwechslungsreiche Arbeit?

Ja. Wenn etwas akut wird, oder eine Deadline näher rückt, bin ich logischerweise sehr stark in einem Projekt, und dann gibt es wieder die Wochen, wo man verschiedene Kleinigkeiten erledigt und neues anschiebt. Dann bleibt vieles auch erst mal ohne Ergebnis, was manchmal unbefriedigend sein kann, weil man wie bereits erwähnt, noch keinen Output hat.

Aber Du sitzt sehr viel? 🙂

Ja, das stimmt. Aber es gibt auch Tage, da bin ich viel unterwegs.

Könntest Du auch von zu Haus aus arbeiten?

Ja. Für die Beratungsgespräche brauche ich einen natürlich einen festen Ort. Generell ist es schon gut, einen festen Arbeitsplatz zu haben, wie mein Büro hier in Chemnitz. Doch vieles lässt sich auch davon unabhängig mit Telefon, Computer und Internet klären.

Was macht an Deiner Arbeit Spaß, was macht nicht Spaß?

Mir gefällt es unterschiedliche Interessen und Perspektiven zu einem Thema kennen- und verstehen zu lernen um dann damit umgehen zu können.
Gleichsam herausfordernd ist immer wieder die Frage: „Ja, wo fange ich denn nun bei einer neuen Aufgabe an?“ Oft stehe ich vor vielen losen Enden, die erst entwirrt werden wollen, um zu wissen, welchen Strang muss ich ziehen, damit am Ende das heraus kommt, was wir haben wollen. Beispielsweise kann ich nicht in einen Laden gehen und Informationen kaufen oder Mitstreiter bestellen. Es gilt den Ton zu treffen und zu überzeugen im Idealfall beim ersten Versuch.

Was braucht man für Fähigkeiten für Deinen Job, was merkst Du ist gut, dass Du das kannst?

Wie gerade schon angedeutet, braucht man kommunikative Fähigkeiten. Ich glaube, dieser Job hat viel mit den sogenannten Softskills zu tun, mit Empathie, Organisationstalent, Aufmerksamkeit und eigenverantwortlichem Arbeiten. Ein Gefühl für Stadt und ein Verständnis von Wirtschaft bedarf es auch – wobei ich glaube, dass man letzteres beim Machen noch erlernen und verbessern kann, ersteres eher nicht.

Dein Job umfasst 25 Stunden/Woche. Was denkst Du, was ist wichtiger: Geld oder Zeit?

Geld und Zeit kommen selten zusammen. Wenn man wie ich nur 25 Stunden die Woche arbeitet, hat man Zeit nebenher, die es erlaubt, Dinge auszuleihen oder zu organisieren anstelle sie kaufen zu müssen. Man kann sich um anderes kümmern oder eigene Projekte entwickeln. Ich persönlich empfinde es als Luxus, diese 25 Stunden zu arbeiten, von denen ich auch gut leben kann. Diesen Luxus wäre ich aber auch bereit, für ein weiteres, spannendes Aufgabenfeld aufzugeben. In mehreren Aufgaben, Projekten und Teams zu arbeiten gibt mir überdies ein Gefühl von Unabhängigkeit.

Kann man den Job auch studieren?

Städtebau, Stadtplanung und verschiedenste Wirtschaftsstudiengänge könnten sicherlich auch in diese Position führen, aber es gibt auch viele Quereinsteiger in der Wirtschaftsförderung – der man meine Aufgabe zuschreiben kann.

Deine drei letzte Worte für unsere Jugendlichen die Du ihnen fürs Leben mitgeben möchtest?

Machen, machen, machen. Das war das Motto einer Werbeagentur in der ich zwischen Schule und Studium Praktikum machte, welches ich immer wieder versuche mir anzunehmen. Denn erstens kommt immer alles anders und zweitens als man denkt.

Danke Robert für das Gespräch.

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