M wie :: Medienpädagoge

Hallo Heiko, Du bist von Anfang an bei den Komplizen in Chemnitz dabei. Warum hat man Dich denn damals gefragt, ob Du Mentor bei den Komplizen werden möchtest?

Nun, ich denke, dass es damit zu tun hatte, dass ich im weiten Feld der Medien tätig bin.

Also konkret: Was machst Du?

Ich arbeite bei Radio T, dem nichtkommerziellen Bürgerradio von Chemnitz. Dort habe ich aber kaum mit dem Radio-Programm zu tun, sondern ich bin als Medienpädagoge tätig.

Was ist denn ein Medienpädagoge?

In dem Begriff stecken ja zwei Dinge: Medien und Pädagoge. Ich fange mal mit dem Pädagoge an. Verständlich wird dieser Teil des Begriffes vielleicht, wenn ihr euch vorstellt, dass ich so eine Art Sozialpädagoge bin. Ein Sozialpädagoge unterstützt Menschen, die mit irgendeinem Teil ihres Lebens nicht selbst zurechtkommen. Ziel dabei ist es, dass der Mensch diesen Teil wieder selbständig bewältigen kann. Nun kann man Sozialpädagogik in verschiedenen Bereichen anwenden. Damit komme ich so langsam zum ersten Teil des Begriffes, denn auch im Bereich der Medien ist diese Art der Pädagogik nötig.

Du hilfst also Menschen, die mit dem Radio-Programm nicht zurechtkommen und so verzweifeln, dass sie professionelle Hilfe benötigen?

Haha, das ist ja eine witzige Idee! Nötig wäre es möglicherweise, vor allem, wenn man sich mal die Radiolandschaft in Sachsen so anschaut. Nein, es ist so: Ich mache Angebote im Bereich Medien, konkret natürlich Radio, in Form von Kursen und Projekten für alle die, die eben auch mal in den Bereich Rundfunk bzw. Radio reinschauen möchten. Gerade dieser Bereich ist ja normalerweise nur schwer zugänglich für die normalen Bürger, ganz anders als z. B. das Internet, dass ja faktisch jedem offensteht. Hauptsächlich arbeite ich mit Kindern und Jugendlichen.

Aber gerade die kommen doch mit allen Medien am Besten zurecht. Warum arbeitest Du mit ihnen und was bietest Du ihnen an?

Auch bei Kindern und Jugendlichen ist es so, oder sogar hauptsächlich so, dass ihnen der Bereich Radio normalerweise versperrt bleibt, also dass sie natürlich Radio hören können, aber dieses Medium kaum selbst praktisch ausprobieren können. Selbst ein Schulpraktikum können die wenigsten in einem Radiosender absolvieren, da den Sendern die Praktikumszeit von 14 Tagen zu kurz ist und sie gern Praktikanten nehmen, die mindestens 18 Jahre alt sind. Bei uns sind auch Schulpraktika möglich. Außerdem gibt es Kurse in den Ferien, ich betreue Schülerradios und biete Kurse an Schulen an, z. B. zum Hörspiel. Das alles ist dann sehr praktisch, die Kinder und Jugendlichen können alles selbst ausprobieren und eigene Hörspiele oder Beiträge produzieren. Dazu kommt noch, dass die meisten von Kindern und Jugendlichen produzierten Beiträge auch im Programm von Radio T zu hören sind. Übrigens fange ich schon im Vorschulbereich mit den Projekten an, meine jüngsten Teilnehmer waren 3 oder 4 Jahre alt.

Aha, es geht also bei Dir darum, den Bereich Radio auch für Kinder und Jugendliche zu öffnen.

Ja, das ist aber nur ein Aspekt. Es gibt noch einen weiteren, und der ist viel wichtiger, das ist der medienpädagogische Aspekt. Der beinhaltet zum einen Medienbildung. Das bedeutet, dass die Kinder und Jugendlichen z. B. lernen, wie sie ein Reportergerät richtig bedienen, und wie sie gute Interviews führen können. Zum Radio machen gehört nämlich viel mehr als eine große Klappe. Zum anderen können sie auch erfahren, wie es in der Medienproduktion hinter den Kulissen abläuft. Das geht soweit, dass auch die Manipulation durch Medien Inhalt eines Projektes sein kann. Ein Interview kann so bearbeitet werden, dass es letztendlich das komplette Gegenteil von dem aussagt, was ursprünglich beabsichtigt war. Die Kinder und Jugendlichen sollen sich also selbständig, kreativ und kritisch mit den Medien auseinandersetzen, und das funktioniert am Besten, wenn sie selbst die Möglichkeit zur Medienproduktion haben. Außerdem hilft das Ganze dann natürlich auch bei der Berufsorientierung.

Okay, jetzt haben wir ein ganz gutes Bild davon, was Du als Medienpädagoge machst. Aber wie bist Du denn Medienpädagoge geworden?

Das war ein großer Zufall. Ich habe einen Studienabschluss als Magister Artium in den Bereichen Pädagogik, Psychologie und Soziologie. Mein Hauptfach war dabei die Pädagogik mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik. Ich stand kurz vor dem Abschluss meines Studiums, als bei Radio die Stelle neu geschaffen wurde, für die jemand mit einem sozialpädagogischen Abschluss gesucht wurde. Jemand bei Radio T kannte mich und wusste was ich studiere. Da wurde ich dann einfach gefragt, ob ich bei Radio T arbeiten möchte und ich habe gesagt, okay, das mache ich.

Übrigens habe ich mittlerweile außerdem noch einen Master-Abschluss als Sozialmanager. Den habe ich gemacht, da ich auch als Projektleiter tätig bin und ich mir dafür noch das nötige Wissen in BWL, Projektmanagement usw. holen wollte.

Also hast Du für den Start in Deinen Beruf das sozialpädagogische Wissen mitgebracht. Aber wie war denn das mit dem ganzen technischen und journalistischen Wissen, dass Du für die Arbeit in einem Radio benötigt hast, das musstest Du doch alles noch lernen, oder?

Stimmt, das musste ich mir alles noch aneignen. Zwar war ich vor langer Zeit schon mal bei einem Schülerradio dabei, aber schon allein die Technik hatte sich mittlerweile sehr weiter entwickelt. Ich habe dann als erstes einen Kurs bei Radio T mitgemacht und dann in der Folgezeit vor allem viel selbst Radio gemacht. Das mache ich übrigens heute auch noch. Es gibt so zwei, drei Sendungen bei Radio T, die ich immer mal gestalte und moderiere.

Was empfiehlst Du denn jungen Menschen, die mal im Bereich Medien arbeiten möchten, also z. B. im Radio, wie sollen sie das anstellen?

Es hilft sehr, sich schon frühzeitig auszuprobieren, also z. B. durch Praktika. So kann man schon mitbekommen, was man gut kann und was man nicht machen möchte. Die Wege in den Bereich Medien sind sehr vielfältig. Es gibt Ausbildungen im technischen Bereich, es gibt viele Studiengänge und es gibt den Quereinstieg. Der wird immer noch sehr häufig genutzt. Es kann sein, dass jemand Germanistik, Geschichte oder Politikwissenschaft studiert und dann nebenbei anfängt, durch Praktika oder auch schon als freier Mitarbeiter im Bereich Presse oder Rundfunk aktiv zu werden. Nach dem Studium dann vielleicht noch ein Volontariat bei einem Verlagshaus oder einem Sender, und schon ist man drin in der Medienbranche. Medienpädagogik kann man auch studieren, aber auch da sind viele Wege möglich, damit man z. B. im Bereich der Jugendarbeit medienpädagogisch mit Kindern und Jugendlichen arbeiten kann.

Vielen Dank, Heiko! Berühmte letzte Worte?

Ganz praktisch: Dein Smartphone ist DEIN Werkzeug. Du bestimmst, was du damit machst. Wenn dich irgendwas oder irgendwer nervt: Stumm schalten, blockieren, Netze deaktivieren, ausschalten.

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