I wie :: Ingenieurin Energiemanagement

Hallo Nicole,

vielen Dank erst einmal, dass Du Dich zu diesem Interview bereit erklärt hast 🙂 Du arbeitest doch bei der Stadt, nicht wahr? Als was denn?

 Als Diplom-Hausmeister 🙂

Aktuell bin ich im Energiemanagement einer öffentlichen Verwaltung beschäftigt. Leiten von Projekten ist dabei eine meiner Hauptaufgaben, genauso wie das Energiecontrolling oder Umsetzen technischer Maßnahmen.

Energiemanagement von Gebäuden? Was macht man da? Was sind Deine Aufgaben?

Energetische Bewirtschaftung und eine unterbrechnungsfreie Medienversorgung von kommunalen Liegenschaften ist eine der Hauptaufgaben. Die Erreichung der 2020 und 2050 Ziele die die Bundesregierung ausgereicht hat, steht hierbei im Vordergrund. Die öffentlichen Verwaltungen haben eine Vorbild- bzw. Vorreiterfunktion in Bezug auf den Einsatz von regenerativen Energien in öffentlichen Gebäuden. Klimaschutz beginnt in den Köpfen. Vorurteile, die weiterhin bestehen, müssen ausgeräumt werden. Auch Menschen ohne Jesuslatschen und grüne Pullover setzen sich für regenerative Ansätze ein. Der kommunale Klimaschutz ist eine wichtige Säule.

Meine Aufgaben sind neben dem Projektmanagement, das Verbrauchscontrolling und speziell die Nutzersensibilisierung getreu nach dem Motto „Einfach mal abschalten“. Fördermittelakquise, energetische Konzepte und die Umsetzung von Instandsetzungsmaßnahmen (Heizungsanlagen, Verteiler, Pumpen, etc.) gehören auch dazu. Wichtig hierbei ist der Umgang mit den Nutzern von Liegenschaften. Diese haben einen größeren Einfluss auf den Verbrauch als bisher wahrgenommen wird.

 Verstehe… und wie kommt man dahin? Studium? Ausbildung?

Nun, ich habe ein Studium an der Fachhochschule Mittweida im Bereich technisches Gebäudemanagement und Facility Management absolviert.

Nach meinem Abschluss startete ich in der Bankenmetropole Frankfurt am Main meinen beruflichen Werdegang als Projektleiterin Start-up für einen technischen Dienstleister. Zu Beginn als Trainee, dann Projektmitarbeiter und die letzten drei Jahre als Projektleiterin. Implementierung aller internen und externen Prozesse für den Kunden und den Dienstleister gehörten zu dem Aufgabengebiet. Sozusagen das managen einer Organisationseinheit im Hinblick auf kaufmännische, technische, personelle Themen aber auch Sekundärprozesse wie, IT-Aufgaben oder Umwelt- und Arbeitssicherheit.

 Klingt alles ziemlich technisch… Wie sind in diesen Bereich als Frau denn da Deine Erfahrungen? Als FRAU in einem technischen Beruf, nur mit Boxhandschuhen?

 Ja, tatsächlich ist die größte Herausforderung in meinem Berufsleben bis dato das Thema Frau und Technik. Wer als Frau in einem technischen Beruf arbeiten möchte, benötigt einen großen Papierkorb, enormes Selbstvertrauen, 150 % mehr Leistung als die männlichen Kollegen und manchmal auch Boxhandschuhe.

Klingt anstrengend, Nicole. Und vor allem klingt das nach einem echten Nachteil! Warum machst Du trotzdem weiter?

Grundsätzlich möchte ich keine andere Arbeitsumgebung erleben. Nachdem Frauen den Beweis der Gleichstellung erfolgreich erbracht haben, entsteht eine zielführende gemeinsame Arbeitsumgebung in der interessante Projekte und Aufgaben bearbeitet werden. 🙂

Das klassische Klischee einer öffentlichen Verwaltung speziell einer Kommune ist ja: „staubig“, „alt“ und vor allem „eingefahren“. Wie sind Deine Erfahrungen dazu?

Sätze wie „Das machen wir schon immer so“ oder „Da könnte ja jeder kommen“ sind mir persönlich in einer Verwaltung auch schon begegnet. Größtenteils gibt es aber dafür auch einen verwaltungstechnischen Hintergrund. Das kommunale Verwaltungsrecht bzw. Bestimmungen stecken den Rahmen ab in dem sich eine Kommune bewegen kann.

Was heißt das für junge Menschen? Wer sollte einen solchen Job lernen?

Menschen, die einen geregelten Arbeitstag mit festen Vorgaben und einen Rahmen um sich benötigen, sind in der Verwaltung gut aufgehoben. Auch Entwicklungspotentiale innerhalb der Verwaltung sind vorhanden und werden gefördert. Wer allerdings in seinen Beruf viel Individualität und Kreativität ausleben will, ist da vielleicht nicht ganz an der richtigen Stelle. 🙂

Wie ist die Bezahlung?

Google weiß alles 😉

Eine Gehaltstabelle mit Entgeltstufen, Angehörigkeitsjahren und weitere finanzielle Angaben sind in den jeweiligen öffentlichen Tarifverträgen geregelt und einsehbar. Das bedeutet, man kann sich vollumfänglich vorab informieren, hat aber keinen Verhandlungsspielraum, wenn es um das Thema Gehälter geht. Die Gehaltstabellen sind an die jeweilige Stelle und dessen Aufgaben gekoppelt. Neben der gesetzlichen Rente wird noch zusätzlich eine betriebliche Vorsorge angeboten. Auch beim Thema Urlaubstage und Überstunden ist eine Arbeitsstelle in der Verwaltung von Vorteil.

Wie gehst Du früh zur Arbeit? Lächelnd oder Weinend?

Jeden Morgen, wenn ich früh meinen Chip an das Zeiterfassungssystem halte, es Piep macht und somit meine Arbeitszeit zählt, beginnt mit einem Lächeln. Meine Freude beruht darauf, dass ich jeden Morgen mit dem Rad zur Arbeit fahre und eine Aufgabe habe, die mich persönlich fordert, neue Impulse sendet und mich neue Erkenntnisse erwarten.

Außerdem leben meine Freunde und Familie in Chemnitz. Ich habe schon in diversen Großstädten gearbeitet, aber aufgehoben, angekommen und einfach zufrieden, fühle ich mich hier. Egal welche Tätigkeit ich ausübe.

Vielen Dank für den Einblick, Nicole! Berühmte letzte Worte?

Wichtig für jeden selbst ist, finde eine Aufgabe, die dir Spaß macht, die dich persönlich herausfordert und deine Bedürfnisse befriedigt. Ich persönlich habe mich vor 10 Jahren nicht in einer öffentlichen Verwaltung gesehen. Mich hat das Aufgabengebiet gereizt, es erfüllt mein Berufsleben und ich kann weitere Erfahrungen im Projektgeschäft vor allem im Bereich Fördermittel sammeln.

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