3. Komplizen-Staffel – Bericht

Zwei Wochen sind inzwischen vergangen seitdem wir uns erst einmal von unseren Schülern und Mentoren verabschiedet haben, denn die 3. Komplizen-Mentoring-Staffel ist vorbei. Das heißt natürlich nicht, dass wir sie nicht wieder sehen, es geht ja schließlich weiter mit der Alumni-Staffel 😉 Allerdings wird es Zeit ein kleines Resumee aus der Staffel zu ziehen und herauszufinden, was gut gelaufen ist und wo wir uns wieder ein bisschen verbessern können.

Diese Komplizen-Staffel fing ganz anders an als alle anderen Komplizen-Staffeln zuvor in ganz Deutschland. Warum? Nun wir hatten beschlossen, dass diese Staffel für unsere Schüler nicht mehr kostenlos sein würde. Natürlich haben wir uns vorher sehr eingehend mit dem Gedanken beschäftigt, Freunde, Bekannte, Lehrer und Schulfördervereine gefragt und das Feedback zu unseren Vorhaben war sehr unterschiedlich, reichte von Empörung bis zur Unterstützungszusage. Selbst im Verein war man sich etwas uneins. Warum wir es doch gemacht haben? Ganz einfach: Es gibt keine Förderung für Gymnasiasten. Auch wenn wir ehrenamtlich arbeiten, gibt es Kosten, um die wir nicht drum herum kommen und die müssen bezahlt werden. Deshalb haben wir in dieser Komplizen-Staffel von jedem Schüler einen Teilnehmerbeitrag von 35 Euro verlangt. (Keine Sorge, für alle, die sich das tatsächlich nicht leisten konnten, schlossen wir natürlich ein Deal mit den Schulfördervereinen 🙂 ) Die Gesichter mancher Schüler, als wir von dem Beitrag erzählten, waren schon lustig. Viele von ihnen gehen nämlich (wie viele Eltern) davon aus, das alles kostenlos für sie ist 😀 Aber mal ehrlich, wo findet man schon etwas Gutes, indiviuell auf die Person Zugeschnittenes für umsonst? Richtig, nirgendwo! Da sollte auch der soziale Bereich nicht damit anfangen, ne? 😉

Aber gehen wir mit dem Bericht voran: Die Anmeldungen waren top! Wir hatten sogar mehr Schüler als vergangenes Jahr im Programm. Der Teilnehmerbeitrag hatte also nicht geschadet und wir konnten uns beruhigt Schritt 2 des Programmes widmen – den Schüler-Seminaren 😀 Unsere Mentoren gaben in der letzten Staffel das Feedback, dass die Schüler nicht gut auf unsere Arbeitsplatzbesichtigungen (AB) vorbereitet waren, kaum Fragen stellten und wenn, dann auch immer nur Standardfragen, die auch Google sehr gut beantworten konnte. Einige Schüler gaben letztes Jahr wiederum an, dass sie aus den Arbeitsplatzbesichtigungen wenig für sich gewinnen konnten. Also Zeit etwas zu tun! Deshalb gab es in dieser Staffel auch vermehrt Übungen dazu. Und das Ergebnis?

  • 85% der Mentoren waren der Meinung, dass sich unsere Schüler sehr interessiert gezeigt haben
  • 80% der Mentoren gaben an, dass die Schüler aktiv mitgemacht haben und viele Fragen stellten.
  • 90% der Mentoren, waren der Meinung, dass die Schüler aus ihrer AB etwas für sich mitnehmen konnten

Und die Schüler?:

  • 91% der Schüler gaben an, durch die ABs konkrete Vorstellung zu verschiedenen Berufen erlangt zu haben
  • 89% gaben an, dass sie ihr Berufsziel jetzt viel besser einschätzen können

und was uns auch besonders freut ist, dass 81% der Schüler sich ins Abenteuer stürzten, um sich – für sie – völlig neue Berufe anzusehen. 🙂

Warum uns das so freut? Nun Schüler haben meist ein sehr verengtes Berufswahlverhalten und wenden sich nur Berufen zu, die sie kennen. Dadurch verpassen sie aber viel, vielleicht sogar ihren Traumberuf! Also sagen wir immer: Raus aus der Komfortzone! Schaut Euch so viel wie möglich an, vielleicht findet ihr dann Euren Traumberuf, aber auf jeden Fall könnt ihr am Ende mit all den Erfahrungen Eure Berufswahl auf eine fundierte Basis stellen!

Arbeitsplatzbesichtigungen eignen sich dafür natürlich super, siehe Feedbacks unserer Schüler auf die Frage: Was haben Dir die ABs gebracht?

„Die einzelnen Arbeitsplätze zu sehen und besser einschätzen zu können, vor allem auch eine Vorstellung vom Alltag in diesen Beruf zu bekommen.“

„Durch diese hat man einen exklusiven Einblick in die Unternehmen bekommen, konnte auch einmal hinter die Kulissen schauen. Ich habe dadurch vieles erfahren, was mir bis dahin noch unbekannt war und was mich teilweise beeindruckt hat.“

„Persönlicher Einblick, nicht nur Werbung -> ehrlich!“

„Mir hat besonders die entspannte Atmosphäre gefallen. Man konnte seine Fragen einfach stellen und so verschiedenste Berufe kennenlernen, von ihren guten, aber auch nicht so bunten Seiten.“

„Weil ich immer nur einen einzigen Beruf lernen wollte, hab ich alle anderen Möglichkeiten etwas ausgeblendet. Durch die Komplizen habe ich Berufe kennengelernt, von denen ich noch nie gehört habe, und ich will demnächst noch mehr Möglichkeiten erkunden.“

„Dass ich mich mit Berufstätigen austauschen konnte, und sie mir ihren Weg, Eindruck, Erfahrungen etc. dargelegt haben.“

Mehr dieser Feedbacks gerne auf Anfrage 😉 Ich würde sagen, unsere neuen Übungen im Seminar waren ein toller Erfolg! 🙂 Als wir im Seminar merkten, wie gut die Schüler die Übungen aufnahmen, übertrugen wir sie spontan auch auf das Mentoring. Denn im Mentoring gab es auch eine Entwicklung, die uns nicht gefallen hat. Sowohl Mentoren als auch Schüler hielten sich in der 2. Staffel thematisch eher im Bereich Berufsorientierung auf. Das ist ja auch alles gut. Aber Schüler und Mentoren können viel mehr aus dem Mentoring ziehen als Berufsinformationen. Na gut, Schüler merken das meist erst etwas später, aber hey, es schadet ja schließlich nicht, sie schon einmal darauf hinzuweisen, dass ein Mentoring auch das Potential hat, sich den eigenen Stärken und Schwächen intensiver zuzuwenden. Während wir mit diesen Gedanken die Übungen im Schülerseminar zum Mentoring erweiterten, haben unsere Schüler dabei scheinbar ziemlich genau zugehört. Denn zum Mentoring und unsere Frage: Was hat es Dir gebracht? gab es u.a. die folgenden Feedbacks:

„Alles Mögliche, weil wir nicht nur über Berufe geredet haben. Aber auch hinsichtlich meiner Pläne für die Zukunft bin ich zu einigen Entschlüssen gekommen.“

„Ich habe jetzt weniger Probleme mit anderen zu reden und kann besser auf Menschen offen zugehen.“

„Ich würde sagen, dass ich durch das viele Reden über alles mögliche einfach gemerkt habe, wie wichtig es doch ist einfach mal zu fragen bzw. auch offen seine Meinung/seine Ziele zu sagen.“

Das letzte Feedback hat uns besonders gefallen. Warum? Wie immer waren wir in der Staffel auch mit Situationen konfrontiert, die aufzeigten, wie schwer es für manchen Schüler ist ihre Komfortzone zu verlassen. Sie machen sich so viele Gedanken darüber, was schief gehen könnte, wie der Mentor von ihnen denken könnte, ob sie ihn nerven oder ob er ihnen wirklich helfen kann usw. Es ist enorm wichtig, dass wir schnell merken, wenn solche Gedanken plötzlichen in den Köpfen der Mentees entstehen. Denn wie jeder Mensch, dessen Sorgen nicht zerstreut werden können, steigern sie sich in diese Gedanken hinein und finden mehr und mehr Ausreden, warum das Tandem nicht funktionieren kann. Ganz beliebt ist z.B. die Ausrede, dass Eltern oder ein Bekannter auch zu dem jeweiligen Beruf informieren kann. Logischerweise besteht dann für den Schüler auch kein Grund mehr sich mit dem eigenen Mentor zu treffen, nicht wahr? Falsch! Einer der wichtigsten Dinge, die Schüler im Mentoring erhalten, ist die ehrliche und unparteiische Meinung des Mentors. Da spielen keine Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen eine Rolle, die viele Eltern zu oft unbewußt beim Thema Berufswahl auf ihre Kinder übertragen. Im Mentoring geht es darum, was die Schüler wollen, um deren Ziele, Wünsche und Hoffnungen.

Meistens gelingt es uns die Schüler aus diesem Gedankenkreis wieder herauszureißen und dann wird das Tandem plötzlich perfekt 😀

Übringens ist das bei Mentoren nicht viel anders. Anstatt die eigenen Eindrücke auszusprechen und Gedanken bzw. Gefühle zu spiegeln, interpretieren viele lieber. Etwas, auf das wir in der nächsten Staffel mehr Fokus legen werden. Ich denke, dass wird unser erster Komplizen-Workshop für Mentoren 🙂

Aber weiter im Bericht: hier kommt die Statistik der Schüler zum Tandem:

  • 100% der Schüler haben sich im Tandem mit ihren Mentor wohl gefühlt
  • 100% konnten Gedanken, Vorstellungen, Wünsche und Ziele in die Tandem-Gespräche einbringen und besprechen
  • 99% der Schüler haben sich vollkommen von ihrem Mentor verstanden gefühlt

Natürlich waren wir auch gespannt, was unsere Mentoren dazu sagen. Wichtig war uns dabei besonders die Frage: Was habt ihr aus dem Mentoring mitgenommen?“ Denn es ist zwar gut, wenn das Mentoring rein aus dem Gedanken entsteht, jemanden zu helfen, aber es wäre noch besser, wenn die Mentoren aus den Gesprächen lernen und etwas für sich selbst mitnehmen können, nicht wahr? In der Abschlussumfrage standen bei der Frage: Was habt ihr aus dem Mentoring mitgenommen?“ die folgenen Feedbacks:

„Neue Denkanstöße für die zukünftige Zusammenarbeit mit Jugendlichen.“

„Wie stark belastet die Jungendlichen heute sind, dass die Zeit für ihre Interessen zu knapp ist.“

„Es ist immer interessant mit den Ideen von jungen Leuten konfrontiert zu werden und zu sehen, wie die Weltsicht von 16 Jährigen zur Zeit ist.“

„Die Mentees haben einen sauvollen Terminkalender. Meine Jugend war definitiv stressfreier.“

„Probleme eines Jugendlichen ohne dt. Pass erkannt, verschiedene Denkanstoße.“

Und gleich folgend die Statistik der Mentoren zum Tandem:

  • 100% der Mentoren haben sich im Tandem wohlgefühlt
  • 89% der Mentoren haben durch die Tandem-Gespräche Denkanstöße erhalten
  • 72% der Mentoren, haben etwas Neues über die „heutige“ Jugend gelernt

Wir könnten noch viel mehr schreiben, noch viel mehr Zahlen bringen und noch viel mehr Feedbacks. Aber wir sind jetzt schon auf der 4. Seite unseres Berichtes. Deshalb wollen wir mal zu Schluss kommen und Euch nur noch ein paar Zahlen nennen, die wir als besonders interessant, wertschätzend und manchmal auch verblüffend empfungen haben:

  • 11% aller Schüler in unserer Staffel nutzen noch Facebook, der Rest hat nicht einmal einen Account dort.
  • 16 Tage gab es in diesem Schuljahr, an denen die Schüler keine Klassenarbeit, Leistungskontrolle oder mündliche Prüfung hatten
  • 100% der Schüler würden unser Programm anderen weiterempfehlen
  • 100% aller Schüler und Mentoren haben sich durch das Projektteam der Komplizen gut betreut gefühlt
  • 93% aller Schüler wollen auch nach dem Programm den Kontakt zu ihrem Mentor halten.

 

 

 

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