E wie :: ESH-Manager

Hallo Michael, Du bist ja inzwischen seit 3 Jahren Mentor bei den Komplizen. Für welchen Beruf eigentlich? Was machst Du?

Ich bin ESH[1] Manager bei einem Automobilzulieferer im Raum Chemnitz. Und das bedeutet, ich habe mich um den betrieblichen Arbeitsschutz, den Brandschutz, die Gesundheit der Mitarbeiter und ganz wichtig auch den Umweltschutz zu kümmern

Also ein Mädchen für alles?

Das ist nicht ganz abwegig, vor allem aber für alle. 🙂 Mein wichtigstes Motiv sind die Mitarbeiter, für die ich letztendlich ein Dienstleister bin. Ich würde es mal sehr vielseitig, immer interessant und nie langweilig nennen. Wobei das Leben als Sicherheitsfachkraft, Brandschutzbeauftragter und viele Jobs mehr, auch mal anstrengend sein kann. Da gilt es das Wichtige vom Dringenden zu unterscheiden. Ein klarer Blick für das Wesentliche und Mut zu Entscheidungen sind da hilfreich. Das bedeutet auch Verantwortung für sein Tun und eben ein Stück weit auch für andere zu übernehmen.

Wie kommt man dahin?

Es fährt ein Bus. 😀

Ja, ja 😉 ich meine zu Deinem Beruf?

Ja, Spaß beiseite. Es führen auch hier verschiedene Wege zum Ziel. Die Mindestvoraussetzung ist eine Industriemeisterweiterbildung, die man nach zwei Jahren im Facharbeiterberuf aufsatteln kann. Ein anderer Weg führt über das Studium. Die meisten kommen hier über den Maschinenbau und spezialisieren sich auf die Sicherheitstechnik. Das hat Vorteile, dann wird die FASI[2] fast vollständig im Studium erledigt und man braucht nur noch eine kurze, Spezialausbildung der jeweiligen BG.[3] Dann fängt das Lernen aber erst an. Man benötigt eine Grundausstattung an ergonomischen, medizinischen, chemischen und physikalischen Kenntnissen. Bissl Psychologie und Soziologie hilft auch wirtschaften. Die Aufgabe der FASI im Betrieb ist weitestgehend beratender Natur. Also ist es äußerst zweckmäßig breit aufgestellt zu sein mit seinem Wissen. Die FASI ist also eher Generalist mit Spezialkenntnissen, als ein Spezialist.

Krass, also ist Dein Beruf eigentlich etwas für jemanden, der sich nicht recht zwischen den Bereichen Technik, Medizin und Naturwissenschaften entscheiden kann! Wie sieht aus mit den persönlichen Voraussetzungen? 

Persönliche Voraussetzungen könnte ich jetzt so spontan nennen:

Es schadet nicht ein Menschenfreund zu sein, solange man sich da selber mit einschließt und auf sich aufpasst, denn es kann manchmal ganz schön viel und vielfältig werden.

Zweite wichtige Eigenschaft: Unbedingt neugierig bleiben und bloß nicht einseitig. Zum Einen ändern sich ständig alle maßgeblichen Vorschriften, zum Anderen kommt immerzu was Neues, wie die psychische Gefährdungsbeurteilung, Femtosekundenlaser, Nanopartikel, kollaborierende Roboter und tausenderlei Dinge im Rahmen der Entwicklung zu Industrie 4.0. Das bleibt auf jeden Fall aufwendig im Wissenserwerb, aber auch wahnsinnig spannend.

Du sagstest, dass Dein Job auch mal ziemlich anstrengend sein kann. Wie jeder Job eigentlich… Was motiviert Dich in so einer Phase dann früh aufzustehen?

Primär der Wecker, aber dann auch die schon oben erwähnten Mitarbeiter. Tagesziel: Alle gehen abends so gesund nach Hause, wie sie morgens gekommen sind. Da hängt natürlich viel mehr dran, als der fromme Wunsch nach körperlicher und geistiger Unversehrtheit. Ich nenn mal ein paar Schlagworte:

  • Gefährdungsbeurteilung
  • Gefährdungsbeurteilung nach Gefahrstoffverordnung
  • Beurteilung der psychischen Gefährdung
  • Brandschutzbegehung
  • Kontrolle der Maschinensicherheit
  • Prüfung ob ergonomische Grundsätze bei der Arbeit beachtet werden
  • Unterstützung bei der Auswahl geeigneter PSA[4]
  • Durchführung von Unterweisungen und Workshops
  • Abnahme von Maschinen im In- und Ausland (man kommt auch ein wenig rum in der Welt)
  • Prüfung von Umweltmaßnahmen
  • Durchführung und Organisation von Audits
  • Überwachung von Wertstoffmanagement und Gefahrguttransporten
  • und und und …

Okay, also die Gesundheit der Mitarbeiter 😉 Mal ehrlich: Eigentlich sorgst Du doch dafür, dass Arbeit in Deutschland noch teurer wird. So beliebt kannst Du da in Deinem Beruf und Deinen Mitarbeitern nicht sein, oder?

Kommt auf die Sicht an. Meine ist diese: Ich kann heute mit wenig Geld und viel Verstand Folgekosten vermeiden, die viele um den Verstand (und ihre Existenz) bringen können. Also die Betriebswirtschaftler nennen das Opportunitätskosten, und die sind dummerweise unsichtbar, weil es die Kosten sind, die man möglicherweise zu tragen hat, weil man etwas nicht kauft, oder tut. Ein Beispiel. Ein Unternehmer spart sich die Feuerlöscherprüfung für 20 Feuerlöscher für in Summe maximal 150 Euro, weil er gerade nicht flüssig ist.

Jetzt machen wir mal die Gegenrechnung der unsichtbaren Seite auf:

Es brennt (obwohl es das doch sonst nie gemacht hat….) also völlig wider Erwarten. Die Feuerlöscher, weil ohne Treibmittel, funktionieren nicht. Dummerweise liegt das Mobiltelefon im Büro, dass in der völlig verqualmten Halle nicht mehr zu erreichen ist. Die Mitarbeiter konnten sich alle aus der brennenden Halle retten, aber die Halle und die Maschinen sind in ihrem Wert auf Schrott-, bzw. Bauschuttpreise geschrumpft.

Grobe Schätzung: Halle 100m², 6 Maschinen, zwei Büros, Computer und 4 Bleistifte…. Schadensumme, entspannte 3 Millionen Euro, je nach Ausstattung. Und das Beste, die Versicherung bezahlt vielleicht nicht, insofern sie nachweisen kann, dass fahrlässig oder sogar grob fahrlässig gehandelt wurde.

Und das war dann preiswerter? Nur ein Beispiel, welches leider gar nicht so selten ist.

Meine Aufgabe ist es also mich mit sachlichen Argumenten unbeliebt zu machen und immer wieder den Finger zu heben, denn ein Risiko kostet erst mal nichts. Ein Schaden aber umso mehr. Und da hat es in unserem fiktiven Beispiel noch keine Verletzten oder gar Tote gegeben.

Danke, für Deine Zeit Michael! Zeit für das Zitat, sag berühmte letzte Worte! Safety first?

Nicht unbedingt, eher Risiken verstehen, abschätzen und minimieren. Das finde ich wichtiger als übertriebene Vorsicht. Mein ganz persönliches Motto: Die Wahrheit liegt im Tun.

[1] ESH …environment, safety and health

[2] FASI …Fachkraft für Arbeitssicherheit

[3] BG …Berufsgennossenschaften

[4] PSA …Persönliche Schutzausrüstung

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