Mindestlohn, Praktikum und Co…

Es ist soweit: Die 5. Anfrage zum Mindestlohn ging heute im Komplizenbüro ein…

Muss bei Schüler/Studenten der Mindestlohn gezahlt werden?
Was ist bei einem Orientierungspraktikum zwischen Schule und Studium?
Bei einem Pflicht- und bei einem freiwilligen Praktikum?
Beim Schreiben der Bachelorarbeit im Unternehmen?
Bei Werkstudenten?
Bei Ehrenamtlern?
bei Azubis?

Also haben wir uns ein wenig kundig gemacht und inzwischen können wir Euch Auskunft geben 🙂 Im Titelbild findet ihr ausserdem eine kleine Übersicht, welche die wichtigsten Punkte zusammenfasst.

Also erst einmal allgemein:
Der Mindestlohn gilt für alle Arbeitnehmer/innen im Inland und für einige Praktikant/innen und beträgt 8,50 Euro pro Stunde (brutto).
Ausgenommen davon sind Ehrenamtliche, Heimarbeiter und natürlich Selbstständige.

Schülerpraktikum:
Schüler/innen unter 18 Jahren haben keinen Anspruch auf Mindestlohn. Sollte der/die Schüler/in während des Praktikums 18 Jahre werden, kommt es auf die Art des Praktikums an. -> siehe Jugendliche und Praktikum

Jugendliche U18 und Praktikum:
Jugendliche unter 18 Jahren, die noch keine berufliche Ausbildung haben, besitzen keinen Anspruch auf Mindestlohn.
Jugendliche unter 18 Jahren mit beruflicher Ausbildung, erhalten Mindestlohn, wenn das Praktikum länger als 3 Monate dauert oder das 2. Mal beim selben Ausbilder gemacht wird.

Jugendlichen Ü18 und Praktikum – Orientierungspraktikum:
Es gibt viele Jugendliche, die nach der Schule keinen Plan haben, in welche Richtung (egal ob Studium oder Ausbildung) es gehen soll. Um sich zu orientieren, beginnen viele von ihnen ein Praktikum. Dieses Praktikum nennt sich Orientierungspraktikum und verpflichtet nicht zum Zahlen von Mindestlohn. Wichtig ist dabei: es darf nicht länger als 3 Monate gehen, andernfalls muss immer ab dem ersten Tag des Praktikums Mindestlohn gezahlt werden.
Bei einem Orientierungspraktikum nach dem Abschluss des Studiums ist das alles schon etwas komplizierter, da davon ausgegangen wird, dass sich Studenten während des Studiums orientieren. Doch häufig bleibt während des Studiums gar nicht die Zeit für Praktika. Deshalb bleibt die Anerkennung des Praktikums nach dem Studium als Orientierungspraktikum eine Einzelfallentscheidung.

Abschlussarbeit im Unternehmen:
Viele Studenten entscheiden sich dafür die eigene Abschlussarbeit in einem Unternehmen zu schreiben. Das bringt den Vorteil, dass es zum einen praxisbezogen ist; die Forschung einen Sinn erhält, da das Unternehmen an den Ergebnissen der Abschlussarbeit Interesse hat; und der Student bereits erste Wirtschaftskontakte knüpfen kann.
Aber auch hier stellt sich die Frage zum Mindestlohn. Im Mindestlohngesetz ist dieser Fall auch nicht ganz eindeutig geregelt. Laut Aussage der Hotline des MBAS ist das Schreiben der Abschlussarbeit in einem Unternehmen als Pflichtpraktikum zu werten und bleibt solange mindestlohnfrei, wie der Bearbeitungszeitraum der Abschlussarbeit in der jeweiligen Prüfungsordnung festgelegt ist.

Werkstudenten:
Werkstudenten werden von Unternehmen gerne bei Personalengpässen, in Projekten oder bei zu geringer Planungssicherheit für neue Festeinstellungen, eingesetzt. Voraussetzung: Sie sind qualifiziert für die Aufgabe im Unternehmen. Studenten, die bereits eine Ausbildung abgeschlossen haben oder in ihrem Studium fortgeschritten sind, bringen oft schon Fähigkeiten und Kenntnisse mit, die denen der Hochschul-Absolventen und Young Professionals gleichen. Sie können also hochwertige Aufgaben übernehmen. Dementsprechend ist die Vergütung hier mindestens der Mindestlohn. Wobei die meisten Werkstudenten bereits deutlich über dem Mindestlohn bezahlt werden. Weiter so!

Azubis:
Auszubildende erhalten keinen Lohn, sondern eine Ausbildungsvergütung. Dementsprechend gibt es keine Mindestlohnpflicht.

Soviel zu Jugend und Praktikum von uns… 😀 Konnten wir alle Fragen beantworten? Habt ihr noch Fragen? Dann einfach unter team@komplizen-chemnitz melden oder in die Kommentare reinschreiben. (von Daniela)

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